• Sophie Dierkes

Brief an Catino

Lieber Catino,

nein, es gibt kein Ärger weil ich dich jetzt Catino nenne und nicht Clausi. Clausi ist nämlich der Name wenn du lieb und artig bist. Catino kommt nur zum Einsatz, wenn du mal wieder was verbockt hast. In diesem Brief wollte ich dir nach fast 7 Jahren „Beziehung“ einfach mal DANKE sagen. Danke dafür, das du da bist, das es dir gut geht und danke für all deine Macken, für deinen viel zu gestörten Sinn und deine Art, wie du mich jeden Tag auf neuste zum Lachen bringst. Es sind die kleinen Dinge, die uns verbinden. Du weißt, ich habe von dir geträumt. Aber hätte ich geträumt, was mal aus dir wird und wie unsere Zeit zusammen wird, hätte ich nicht gedacht, dass wir beide das so hinbekommen. DU hast dir mich ausgesucht, hast mich bemustert von oben bis unten und dann beschlossen – jap, die will ich. Mir über die Jacke geschleckt und alles beim Probereiten gegeben. Sogar als die bayrische Blaskapelle in das oben gelegene Reiterstübchen kam, warst du einfach nur gelassen und cool – obwohl wir uns ja noch nicht richtig kannten. Jede „Beziehungen“ hat Höhen und Tiefen. Das unsere Geschichte direkt mit einem Tief beginnt, war jetzt kein toller Anfang, ich glaube du wolltest bei dem Sprung über die Bande (auf der du einfach nur blöd gehangen hast) zeigen, dass auch kleine Pferde großartige Springer sind. Du hast mich nicht nur einmal, sondern auch zweimal, dreimal und viermal in den Sand gesetzt, aber immer ohne Absicht. An meinen letzten Sturz kann ich mich leider nicht mehr erinnern, da ich einen kleinen Gedächtnisverlust hatte und zudem auch noch etliche blaue Flecken und und und. Ich bin dir keines Mals böse darüber gewesen, denn es waren immer ungünstige Situationen. Jeder Tag mit dir ist besonders, manchmal hab ich sogar das Gefühl, dass du eine innere Uhr hast, die dir sagt „Mami kommt gleich“, denn wenn es mal später wird, tust du gerade so, als wärst du das ärmste Pferd der Welt und keiner würde dich lieben. Das stimmt nämlich so nicht: niemals hätte ich gedacht, dass du so einen großen Teil in meinem Leben einnimmst, dass meine Mama extra für die Brötchen trocknet und mein Papa dich „Schatzi“ nennt. Ja gut, manchmal glaube ich, meine Eltern lieben dich fast mehr als mich, als wärst du ein Mensch. Erinnerst du dich noch an den Tag, an dem wir das erste mal nach 2 Jahren wieder bedenkenlos galoppiert sind? Unsere erste „esoterische Springstunde“, bei der du dir gedacht haben musst – „Jetzt spinnt die Alte endgültig, ich will richtig springen“. Erinnerst du dich an unsere Auftritte bei der Weihnachtsfeier, an unseren ersten gemeinsamen Lehrgang, auf dem dich alle bewunderten? Manchmal habe ich das Gefühl, unsere Freundschaft ist was ganz besonderes – aber dann rennst du aus deiner Box wenn du das Halfter siehst und willst nicht wieder rein kommen, weil du denkst du musst arbeiten. Du kleiner Frechdachs. Aber täglich lässt du dich dann doch, mit etwas mehr Futti und Bananen und Karotten überreden mitzumachen. Sogar nach dem Aufsteigen bleibst du schon automatisch stehen und verrenkst dich nach dem Leckerchen, da du weißt, dass es vor dem Reiten immer eins gibt. Man merkt dir jede Stimmungsschwankung an und ich weiß ganz genau, dass du mich in den schwierigsten Situationen nicht im Stich lässt. Es gab eine einzige Situation, letztes Jahr, in der ich das erste Mal angst hatte. Angst davor, dass du auf eine Wiese musst. Das wir keine gemeinsamen Ritte mehr.

Du bist mein Seelenpferd, mein Lieblinspferd und mein Bananenclausi!

In Liebe, Sophie